Dienstag, 4. August 2009

Verspielt und ausgefressen

Ja ich hatte wunderbare Sommerferien.
Nett, dass du fragst.

Äh nein also gut, eigentlich waren die Sommerferien nicht ganz so wunderbar. Zehn Jahre ist es her seit ich das letzte Mal gemeinsam mit meinen Eltern und meinem Bruder zwei Wochen ununterbrochen auf "engstem" Raume verbrachte (es war in einer toskanischen Villa mit kreisrundem, 1,20 Meter tiefem Swimming Pool). Und auch Big Brothers Freundin (in meinem Natel hatte ich sie neun Jahre lang als Big Brother Bums (BBB) gespeichert, aber irgendwie wird ihr das nicht gerecht, also hab ichs geändert. Da ist Micheline Calmy-Rey sexueller) und den zwei Labrador Retrievern (eine goldig und Arthritis-alt, die andere schwarz und mit spirituellen Augen - sie kann durch dich hindurchsehen!) und dann noch die äusserst übergewichtige (klingt netter als fette) Mutter von BBB waren mit von der Partie. Zum allerersten Mal war die Familie also sowas wie komplett. Wenn ich nicht schon mein Leben lang so ganz ohne ernsthafte Beziehung wär, wärs vielleicht schon früher dazugekommen. Glücklicherweise nicht. Ich habe nicht vor, dies alles nochmals in der gleichen Konstellation durchzumachen. Geht auch gar nicht, weil das nächste Mal werde ich dann ne Tochter haben. Aber meine Mutter wird wohl nicht zulassen, noch einmal mit BBBs Mutter in die Ferien fahren zu müssen.

Ich beschreib meine Mutter mal so:
Arbeitswütig, putzfreudig, hysterisch, wunderschön für ihre 55 Jährchen, mit toller, nun sehr gebräunter Figur, nicht gerade spielgewitzt, aber doch spielfreudig, dominant, erfolgreich im Beruf, aber das ist in den Ferien nun wirklich unwichtig, isst gerne Leger- und fettfreie Produkte wie Margarine und Joghurt (und diese en masse).

Und so geht der Beschrieb von BBBs Mutter:
Faul, fett, schnell verschwitzt, spielgewitzt und spielfreudig, macht manchmal Mordssprüche, geht mit ihrer Tralala-Stimme aber ziemlich rasch auf den Sack, verwitwet (Mitleidsbonus!), einschleimend (für mich hätte die alles getan), befehlshaberisch (zur Tochter), hat nen eigenen Stuhl mitgebracht, Riesen-Quengelbaby. Essen: "Ich esse keine Oliven!" "Ich esse keine Pepperoni!" "Ich esse keine Light-Produkte! Die sind schlecht und machen süchtig!" "Ich will keine Margarine, ich will Butter!" "Nein ich kann den Kuchen ohne Teller essen! Nein! Kein Teller!" "Ich will Orangensaft!" "Ich will richtiges Brot!" und so weiter und so fort.

Es war klar, dass diese Ferien mit viel Gespiele einhergehen, weil meine Eltern mit der Dicken einmal im Monat jassen (ich nenn das den Witwen-Abend, weil dann noch eine andere dabei ist, deren Mann vor kurzem gestorben ist). Und so haben wir jeden Tag Spiele gespielt, die Dicke hat nachmittags mit Schwiegersohn und Rollstuhlstosserin in spe (ihre Tochter, falls das nicht klar sein sollte) um ihr Leben gejasst und dabei haben die meine Mutter immer auf fieseste Weise angepisst. So sehr, dass ich mich danach weigerte, mit diesen drei zu jassen und es nicht begriffen hab, warum meine Mutter sich das weiterhin antut (es geschah aus ihrer Gutmütigkeit heraus, mein Vater wollte nicht, ich wollte nicht, aber jemand musste es tun). Jassen mit denen ist wie irakischer Präsident sein, du wirst gelyncht, egal, was du tust. Und so habe ich wenigstens durchgesetzt, dass wir nach dem Abendessen immerhin ein Spiel spielten, das nichts mit Jasskarten zu tun hatte.

Am vorletzten Tag, als meine Eltern und ich gemeinsam in Florenz Znacht nahmen, zog meine Mutter wiedermal über die Dicke her, wie sie ihren Sohn vereinnahme, dieses Phlegma, und sich wohl vorgestellt hatte, nach dem Morgenessen um 10 bis zum Snack um 12, 14 und 16 Uhr sowie nach dem Znacht um 19.30 Uhr in ihrem Stuhl zu hocken und ihren geliebten Coiffeur-Jass zu spielen. Ich warf dann ein, sie solle jetzt mal nicht so tun, wir hätten wirklich nicht zu wenig Spiele gespielt und ich denke, dass sie garantiert auf ihre Kosten gekommen ist. Auch wenn die Dicke mich so genervt hat wie schon lange kein Mensch mehr vor ihr, versuchte ich sie in Schutz zu nehmen. Nun denn, diese "Gutmütigkeit" verspielte sie sich mit einer Aussage, die sie bei unserem letzten Abendmahl in unserer Lieblingspizzeria von sich gab:

"Also der {Big Brother} und ich haben gestern ein Fazit gezogen und dem BB wars also zu wenig Action in diesen Ferien, ja und ich, also ich finde, wir haben zu wenig gespielt."

Meine Mutter verschluckte sich fast am Nichts in ihrem Mund und musste sich zudem am Tisch festhalten, weil es sie verdächtig nach links gen Boden zog. Mit aufgerissenen Augen starrte sie zur Dicken und stotterte: "Das ist jetzt aber ein 1. April-Scherz?" Natürlich musste ich lachen, noch viel mehr innerlich, die Szene war so grotesk, sie bedurfte keiner Worte meinerseits.

Die Dicke macht meinen Eltern Vorwürfe, es hätte zu wenig Action und Spiele gegeben. Hahahahahaha die Dicke hahahahaha eine schlechte Dicke eine ganz schlechte Dicke!

Da kommt mir doch gleich eine Umschreibung in den Sinn, wie ich sie getätigt habe als wir das Spiel Tabu spielten: "Was ist das Gegenteil von "dünn und intelligent"?"

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